In diesem Beitrag stellen wir das Proto-Śāradā-Project (2024–2027) der Universitäten Würzburg und Lausanne vor – ein gemeinsames Forschungsprojekt, das sich einer bislang wenig bekannten Schrift und ihrer Bedeutung für die Geschichte des frühmittelalterlichen Südasien widmet. Geleitet wird das Projekt von Kathrin Holz (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) und Ingo Strauch (Universität Lausanne). Es wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert.
Zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich im nordwestlichen Indien die Proto-Śāradā-Schrift, eine Übergangsform zwischen den älteren Brahmi-Traditionen und der später weit verbreiteten Śāradā-Schrift. Texte in Proto-Śāradā finden sich in Inschriften und Manuskripten – Dokumente, die wertvolle Einblicke in Verwaltung, Gesellschaft und Kultur des frühmittelalterlichen Kaschmir und Gandhāra geben.
Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, diese Quellen systematisch zu erfassen, zu edieren und digital zugänglich zu machen. Dazu werden Inschriften und Manuskripte gesammelt, entziffert, übersetzt und in einer Online-Datenbank bereitgestellt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Schriftentwicklung, die mithilfe des digitalen Werkzeugs Indoskript dokumentiert und vergleichbar gemacht wird.
Neben der textkritischen und paläographischen Arbeit führt das Forschungsteam auch Feldstudien durch – etwa in Pakistan, wo viele der relevanten Inschriften und Manuskripte erhalten sind. Durch die Verbindung von philologischer Präzision und digitaler Dokumentation entsteht so ein neues Fundament für die Erforschung des frühmittelalterlichen Nordwestindiens.
Die Bilddokumentation der Inschriften und Manuskripte ist über das Forschungsdaten- und Bildarchiv HeidICON verfügbar und gewährleistet eine nachhaltige Einbindung in bestehende Infrastrukturen der Südasienforschung.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website: Proto-Śāradā-Project